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young men consuming content

Der Leitsatz “Content is king, but engagement is queen“ dürfte 2020 weiter an Bedeutung gewinnen. Redakteure müssen künftig nicht nur attraktiven Content produzieren, sondern diesen zusammen mit Datenexperten auch an die richtigen Zielgruppen ausspielen. Im besten Fall bekommt der Nutzer das Gefühl, dass das Medium oder Unternehmen mit ihm interagiert, weil es genau auf seine Interessen eingeht. Wir haben aus unserer Erfahrung und vorliegenden Marktberichten fünf Trends für 2020 abgeleitet.

Weniger Text, mehr Bild

Ob für einen Online-Artikel oder Social-Media-Post – die visuelle Darstellung wird immer wichtiger, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. In den sozialen Netzwerken genügt ein Blick auf die Video-Plattform TikTok um zu erkennen, dass mit der jüngeren Generation der Trend zum Visuellen zunimmt. Im Jahr 2017 lag die weltweit durchschnittliche Nutzungsdauer von Videos nach Statista bei 56 Minuten am Tag, 2020 soll sie bei 84 Minuten liegen. Durch die Smartphone-Nutzung werden jedes Jahr mehr als eine Billion Bilder geschossen. Für Publisher wird es daher immer wichtiger, nicht nur hochwertige Texte, sondern auch digitale Assets wie Bilder, Videos und Grafiken zu erstellen.

Digital Asset Management gewinnt an Bedeutung

Viele Unternehmen und Verlagshäuser nutzen es bereits, viele sind dabei eines einzurichten: Ein Digital Asset Management (DAM)-System. In Nordamerika und der UK nutzen bereits rund 50 Prozent der Unternehmen eine solche Software, laut der aktuellen Gartner-Studie. In Nordamerika lag das Marktvolumen im Jahr 2018 bei 2,2 Milliarden USD, 2025 soll es bei 10,2 Milliarden USD liegen. Mit 27 Prozent wird vor allem in der Retail-Branche das größte Wachstum prognostiziert (Adroit Market Research).

Mit einem DAM-System lassen sich Millionen von digitalen Assets wie Bilder, Videos, Textbausteine, Grafiken und Drucklayouts zentral organisieren. Das Chaos, wo und bei wem welche Assets wie abgelegt sind, hat damit ein Ende. Durch Metadaten, die jedem Asset anhaften, finden Nutzer einzelne Dateien im Handumdrehen. Verschiedene Versionen für Print und Online sowie wichtige Informationen beispielsweise über Copyrights sehen die Nutzer sofort. Eine wichtige Voraussetzung dafür, mehr Content in kürzerer Zeit zu produziert.

Content wird noch digitaler

Digitale Formate gewinnen weltweit weiter an Bedeutung. Laut einer ARD/ZDF-Onlinestudie haben Nutzer in Deutschland 2019 täglich 87 Minuten mit medialen Inhalten im Internet verbracht, das sind fünf Minuten mehr als 2018. Eine Umfrage von Adobe ergab, dass Verbraucher in den USA täglich sogar mehrere Stunden mit digitalen Inhalten verbringen. Vor allem digitale Plattformen und News-Websites gewinnen hier an Bedeutung, was sich an den Werbeausgaben zeigt: digital Inhalte erzielten 49 Prozent der Werbeumsätze, das ist im Vergleich zum vergangenen Jahr ein Anstieg um 23 Prozent (nach Schätzungen von eMarketer).

Content wird persönlicher

Data Driven Publishing spielt eine immer wichtigere Rolle. Das bedeutet, dass Endnutzern Inhalte angezeigt werden, die sie besonders interessieren. Welche Zielgruppe welchen Content sieht, entscheidet sich anhand von Kriterien wie demographischen Merkmalen, Interessen, oder Gefühlslage (Emotional Targeting). Ob digitale Inhalte für bestimmte Personen relevant sind, wird mit Hilfe von Artificial Intelligence-Services, semantischer Analyse und performanten Suchtechnologien ermittelt.

Um hierfür attraktive Stories zu produzieren, muss ein Redakteur auf passende Assets und Quellen zugreifen können. Zum einen kann mit einem DAM-System nach bestimmten Themen gesucht werden, über die in anderen Medien bereits berichtet wurde (Stichwort: integrierte Medienbeobachtung). Andererseits lassen sich Assets nach Keywords, Personen, Objekten, Stimmungen oder Farben durchsuchen. Auch bestimmte Stellen in Videos können nach einzelnen Kriterien sofort ermittelt werden. Auf diese Weise ist der gesamte Content-Produktionsprozess sehr schnell und nutzerfreundlich.

Content wird agiler

Damit jedem Nutzer die passenden Inhalte angezeigt werden, müssen diese automatisiert in verschiedenen Kanälen ausgespielt werden. Dabei werden Inhalte immer dynamischer. Real Time Content beispielsweise zeigt jeweils den aktuellen Status Quo zum Zeitpunkt des Abrufs. Das kann sich auf Nachrichten sowie Preise oder Lagerbestände beziehen. Deshalb setzen viele Redaktionen auf „Headless“-Systeme. Bei einem headless (zu deutsch „kopflosen“) CMS oder DAM-System liegen die Inhalte als rohe Datenquelle vor. Es ist also kein „Kopf“ vorhanden, sprich es gibt kein Standard-Front-End-System. Für Entwickler bedeutet dies, dass sie beliebig viele „Köpfe“ auf das System via API setzen können, um Inhalte für verschiedene Kanäle wie Websites, Apps oder Smartwatches bereitzustellen. Um in einem weiteren Schritt den Content zu optimieren, ist es wichtig, die ausgespielten Inhalte zu tracken. Nur dann gibt es Antworten auf Fragen wie: Welche Inhalte wurden wie oft welchen Zielgruppen mit welchem Erfolg angezeigt?

Fazit: Medienverlage wie Marketingabteilungen sehen sich der Herausforderung gegenüber, immer mehr Content zu produzieren und diesen effizient zu verwalten. Dabei spielt nicht nur die Content-Produktion eine große Rolle, sondern auch das richtige Targeting. Deshalb etablieren sich Digital Asset Management-Systeme, Content-Management-Systeme, die für Multichannel-Publishing geeignet sind und Analysetools zu festen Größen im Tech Stack vieler Unternehmen.