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Eine für alle: DC-X als Zentrale Mediendatenbank bei Ringier in der Schweiz

Beim Schweizer Medienhaus Ringier ist das Digital Asset Management (DAM) System DC-X zum Herzstück der Software-Landschaft geworden. Hier wird Content zentral und medienneutral erfasst und für Online, Print und mobiles Publishing zur Verfügung gestellt.

Es ist kurz nach 13 Uhr und im Zürcher Newsroom der Ringier AG herrscht geschäftiges Treiben. Sportressortleiter Stefan Meier sitzt an einem Artikel über einen Rassismus-Eklat im Tennis. Die Geschichte läuft online schon seit dem frühen Morgen, eine kürzere Version ist in der Gratiszeitung Blick am Abend erschienen und auch für die Tageszeitung Blick, die um Mitternacht in Druck gehen wird, ist ein Artikel geplant.

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In Stefan Meiers Web-Browser ist das Digital Asset Management System DC-X geöffnet, eine Software, die Nachrichtenbeobachtung, Recherche, Archivierung, Rechtemanagement und Content-Erfassung miteinander kombiniert. Ringier-intern wird das System „Zentrale Mediendatenbank“ genannt – und der Name ist Programm.

EIN SYSTEM FÜR ALLE KANÄLE

DC-X ist der redaktions- und länderübergreifende Verwahrungsort für sämtlichen Content der Ringier-Redaktionen. Hier laufen Agenturmeldungen und Fotos ein, recherchieren Journalisten und verfassen Texte, suchen Bildredakteure nach Material, werden Artikel und Ganzseiten archiviert und für weitere Verwendungszwecke bereitgehalten. Schnittstellen (JSON und AtomPub API) verbinden DC-X mit den anderen Systemen, die bei Ringier im Einsatz sind: das Print-Redaktionssystem Woodwing (Blick, Blick am Abend, Sonntagsblick), das Online-CMS Escenic für den Internetauftritt Blick.ch und die mobile App „BliQ“, Drupal für den Internetauftritt der französischsprachigen Tageszeitung Le Temps in Lausanne, WordPress für die Website Ticketcorner.ch und Kolumbus für die neue iPad-App „Blick Premium“.

Inhalte werden im DC-X-Story Editor medienneutral erfasst und anschließend in die diversen Kanäle ausgespielt. „Einer der großen Vorteile von DC-X ist, dass man daran extrem einfach und mittels Standardtechnologien andere Systeme anbinden kann“, sagt Marco di Bernardo, Head Innovation & Platforms.

DC-X bei Ringier

Über Schnittstellen ist DC-X mit diversen Redaktions- und Content Management Systemen für den Print- und Onlinebereich verbunden. Artikel werden im medienneutralen Editor erfasst und können mit wenigen Klicks in sämtliche Kanäle ausgespielt werden.

 

Stefan Meiers Arbeitsgrundlage ist die Online-Story vom Morgen, auf deren Basis er nun eine Variante für die Tageszeitung erstellt. In dieser Story nimmt er ein paar printspezifische Änderungen und Kürzungen vor, setzt die Verwendung auf „Woodwing“ und wählt auch gleich die gewünschte Publikation, Ausgabe und Rubrik aus, wobei live die Woodwing-Datenbank abgefragt wird. Durch einen Trigger an die Schnittstelle wird die Print-Story ins Woodwing-System transferiert, nach dem Transfer erhält die DC-X-Story den Status „Woodwing“ und ist für die Bearbeitung in DC-X fortan gesperrt. Korrekturen können später über InCopy vorgenommen werden und werden automatisch in die DC-X-Story zurückgeschrieben. Für den Ressortleiter ist die Arbeit an dem Artikel nun erledigt und er kann sich anderen Themen widmen.

Vor der Einführung von DC-X mussten Stefan Meier und die anderen Redakteure für jede Publikation eine eigene Story in einem separaten System anlegen – schwierig, da den Überblick zu behalten und die Inhalte einheitlich zu gestalten. „Das neue System ist sehr simpel“, sagt der Redakteur. „Wir haben ruckzuck gelernt, damit zu arbeiten.“

Hersteller der Software ist das Hamburger Technologie-Unternehmen Digital Collections. „Wir erleben momentan eine sehr stark steigende Nachfrage nach unseren Systemen“, freut sich dessen Geschäftsführer Ole Olsen. „Primär, so denken wir, weil wir einen extrem kostengünstigen und schnellen Einstieg in kanalunabhängiges Arbeiten ermöglichen und damit enorme Synergien in den Redaktionen erzeugen.

IM HERZEN DES NEWSROOMS

Bei Ringier erfolgte die Einführung der Software im Zuge einer umfassenden Umstrukturierung, mit der die Grenzen zwischen Print und Online aufgehoben werden sollten. Drei Anforderungen führten dazu, dass sich das Schweizer Medienhaus für DC-X als zentrales System entschied: Erstens wollte man auf einen möglichst großen Datenbestand zugreifen, zweitens Content in einem medienneutralen Datenformat ablegen können.

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Reporterin Jessica von Duehren

„Der Journalist soll an einer Stelle alle Bilder, Videos und Texte finden, er soll an einer Stelle einen neuen Text erfassen“, erklärt Marco di Bernardo. „Wenn man früher ein Word-Dokument geöffnet hat, um einen Text zu schreiben, macht man das in Zukunft mit DC-X.“ DC-X wurde somit zum konzenweiten Standard-Programm und zum Software-Herzstück im Ringier-Newsroom. IT-Business Engineer Silvano Oeschger formuliert es so: „Das ganze Leben des normalen Journalisten findet im DC-X Story Editor statt.“

Dritte Anforderung: Das System sollte einen webfähigen Client haben, über den die Mitarbeiter jederzeit und von jedem beliebigen Ort aus darauf zugreifen könnten. Reporterin Jessica von Duehren ist ständig unterwegs – in Zürich, im Rest der Deutschschweiz und in Deutschland – und verfasst ihre Artikel direkt vor Ort im DC-X Story Editor. „Es ist total praktisch, dass man sich einfach über den Browser einloggen kann“, sagt sie. „So kann ich überall schreiben – im Auto, in der Bahn, im Gerichtssaal…“

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Layouter Flavio Cellana mit Blattmacher Oliver Görz

Im Newsroom ist der Nachmittag inzwischen schon weit fortgeschritten, doch für Flavio Cellana fängt die Arbeit gerade erst an. Er soll eine Doppelseite für den Sportteil bauen, auf der auch der von Stefan Meier vorbereitete Tennis-Artikel erscheinen wird. Der rechte Bildschirm des Layouters ist gefüllt mit InDesign-Panels – eines davon zeigt ihm an, welche DC-X-Elemente für welchen Artikel zur Verfügung stehen. So kann er sich ganz einfach bedienen und muss dafür nicht einmal die DC-X-Benutzeroberfläche aufrufen. „Wenn ich fertig gelayoutet habe, stelle ich den Status auf ‚Desk‘“, erklärt er. „Dann kann der Produzent damit arbeiten.“

GROSSE PLÄNE FÜR DIE ZUKUNFT

Die neuen Workflows im Blick-Newsroom sind die ersten Schritte auf dem Weg zum größeren Zukunftsszenario. „Die Strategie ist ganz einfach“, sagt ITler Marco di Bernardo: „Wir wollen eine ganzheitliche Content-Plattform schaffen“. Denn nicht nur die Journalisten in Zürich und Lausanne nutzen das System. Schon jetzt arbeiten etwa 700 Mitarbeiter der Ringier AG mit DC-X. Fast täglich kommen Titel hinzu – und es ist noch Luft nach oben: Die Mediengruppe beschäftigt 6500 Mitarbeiter in 15 Ländern und gibt mehr als 120 Zeitungen und Magazine heraus. Hinzu kommen rund 70 Portale und über 40 mobile Applikationen.

„Es gibt Pläne, international Plattformen für Print und Online mit DC-X zu bespielen“, sagt Marco di Bernardo. „Wir wollen die Möglichkeit schaffen, neue Produkte auf Basis von bestehendem Content schnell publizieren zu können. Vielleicht kommen wir irgendwann auf die Idee, ein Travel-Magazin zu machen – dann können wir einfach auf den Content unserer verschiedenen Publikationen zurückgreifen.“

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Text: Nina Drewes, Digital Collections, Juli 2016